Scicon online-Vorträge

Aron Pilhofer: Visions & business models for journalism in the near future
(15. April, 15 Uhr MEZ / 9 Uhr EDT)

Moderation: Prof. Christopher Buschow, Bauhaus-Universität Weimar

Die #SciCon will die Debatte über die Zukunft des (Wissenschafts-)Journalismus mit einer internationalen Perspektive vorantreiben: Die wirtschaftliche Krise der Medien – insbesondere die wegbrechende Querfinanzierung des Journalismus durch Werbeeinnahmen – hat dazu geführt, dass Medien-Start-ups weltweit mit innovativem digitalen Journalismus experimentieren. Welche Ansätze, Partnerschaften und Geschäftsmodelle werden Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter finanzieren? In dieser Online-Session wollen wir uns mit der Rolle beschäftigen, die neue digitale Geschäftsmodelle bei der der Transformation des Journalismus spielen.

Dazu haben wir den Professor für Innovation im Journalismus Aron Pilhofer von der Temple University (Philadelphia, PA) eingeladen, einen systematischen Blick auf Visionen und Geschäftsmodelle für den Journalismus der nahen Zukunft zu werfen. Mit Blick auf die aktuelle Medien-Start-up- und Innovationsszene wird der frühere Digitalredakteur des Guardian und der New York Times seine Einsichten teilen, welche Ansätze für neue Geschäftsmodelle sich abzeichnen und welche bereits zu funktionieren scheinen. Was wird derzeit ausprobiert, wo liegen die Probleme in der Praxis, welche Modelle erweisen sich als nachhaltig? Dabei will Aron einen genaueren Blick auf die Strukturen der Innovationsförderung werfen.

Basierend auf seinen Erfahrungen mit News Catalyst & Tiny News Collective wird Aron Pilhofer skizzieren, welche Bedarfe die Szene der Medieninnovatoren hat, was ihnen fehlt und welche Unterstützungsmaßnahmen sie benötigen. Können diese neuen Gschäftsmodelle Medien den Weg zu ebnen, neue Zielgruppen zu finden, redaktionelle Prozesse zu optimieren und News zu refinanzieren?

Aron Pilhofer (@pilhofer) hat den James B. Steele Lehrstuhl für Innovation im Journalismus an der Temple University (@TempleUniv) in Philadelphia, Pennsylvania (USA) inne. Neben seiner Lehrtätigkeit konzentriert sich seine Arbeit auf neue Geschäftsmodelle, digitale Transformation und Innovation im Nachrichtenbereich. Bevor er nach Temple kam, war Pilhofer Executive Editor, Digital, und Interim Chief Digital Officer beim Guardian in London. Dort leitete er die Produkt- und Technologie-Teams des Guardian sowie den visuellen Journalismus, einschließlich Bilder, Grafiken, interaktiven und Datenjournalismus. Bevor er zum Guardian kam, war Aron Associate Managing Editor für digitale Strategie und Redakteur für interaktive Nachrichten bei der New York Times. Außerdem war er Reporter bei Gannett-Zeitungen in New Jersey und Delaware, leitete den Datenjournalismus am Center for Public Integrity in Washington, D.C. und war im Trainingsteam von Investigative Reporters and Editors (IRE) tätig. Außerdem war Aron Mitgründer von zwei Nachrichten-Start-ups: DocumentCloud.org, das jetzt am Klein College of Media and Communication der Temple University angesiedelt ist, und Hacks & Hackers. https://klein.temple.edu/faculty/aron-pilhofer

LINKS:

  • Editor & Publisher: Tiny News Collective Will Provide Resources for Local Publishers, 22. März 2021. LION Publishers und News Catalysts haben das Tiny News Collective (https://tinynewsco.org/) ins Leben gerufen, eine Initiative, die Werkzeuge und Ressourcen zur Verfügung stellen wird, um den Aufbau nachhaltiger Nachrichtenorganisationen zu unterstützen. (…) „Es geht um Gerechtigkeit und Erneuerung“, sagte Pilhofer. „Es geht darum, Nachrichtenorganisationen dort anzusiedeln, wo sie dringend gebraucht werden, und ihnen all die Unterstützung und den Schutz zu geben, den sie brauchen, um zu wachsen und erfolgreich zu sein.“ Um das zu erreichen, wird das Projekt industrielle Technologie zur Verfügung stellen, z.B. ein komplettes Publishing-System, das auf Google Docs und Google Workspace basiert, eine komplette Buchhaltungs- und Fundraising-Suite von MonkeyPod, und einen lokalen Anzeigenmarktplatz von Letterhead und WhereBy.Us. (…) Der Plan ist es, 500 News-Outlets zu starten – 10 in diesem Frühjahr und 490 in den nächsten drei Jahren. https://www.editorandpublisher.com/stories/tiny-news-collective-will-provide-resources-for-local-publishers,188769
  • News Catalyst (https://newscatalyst.org/) ist am Klein College of Media and Communication der Temple University angesiedelt und unterstützt Nachrichtenorganisationen dabei, sich in nachhaltige digitale Unternehmen zu verwandeln, indem es Tools bereitstellt, Zusammenarbeit fördert und Experimente innerhalb der Nachrichtenbranche unterstützt. Der Schwerpunkt liegt auf Bereichen, in die Nachrichtenorganisationen traditionell zu wenig investiert haben: Produktentwicklung, Daten, Analytik, digitales Storytelling, Mobile und Engagement. Diese Lücken will News Catalyst durch die Bereitstellung von Tools, Technologie, Training, praktischer Unterstützung und Expertise schließen.


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Anya Schiffrin: Saving Journalism: A Vision for the Post-Covid World
(24. März 2021, 16 Uhr MEZ)

Moderation: Christina Sartori (Freie Wissenschaftsjournalistin in Berlin, Mitglied der WPK)

Die Covid-19-Pandemie hat erneut bestätigt, wie wichtig verlässliche und faktenbasierte Informationen für eine Gesellschaft sind. Während der gesamten Pandemie hat sich das Publikum an vertrauenswürdige Quellen gewandt, um wissenschaftliche Informationen über die Krankheit und ihre Ausbreitung zu erhalten. Doch obwohl die Nachfrage nach Journalismus in die Höhe geschossen ist, wurden Journalist*innen auf der ganzen Welt entlassen und beurlaubt. Die Einschaltquoten mögen im Jahr 2020 dramatisch gestiegen sein, aber schrumpfende Einnahmen – insbesondere Werbeeinnahmen – haben viele Redaktionen stillgelegt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 haben zu dem beigetragen, was manche ein „media exctinction event“ nennen.

In ihrem neuen Report Saving Journalism: A Vision for the Post-Covid World nimmt die Medienexpertin Anya Schiffrin von der Columbia University die Lösungsvorschläge für die finanziellen Probleme in den Blick, die den Journalismus in der Covid-19-Ära heimsuchen. Sie gibt einen Überblick über neue Initiativen, schätzt die Erfolgsaussichten ein und stellt die wichtigsten Akteure vor – damit Länder voneinander lernen, wie sie Qualitätsjournalismus unterstützen können.

Viele der neuen Initiativen umfassen eine stärkere Förderung durch Stiftungen und die Diskussion darüber, wie die Geschäftsmodelle der Medien an die aktuelle Krise angepasst werden können. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern Flexibilität und neue Ideen – und wir sehen überraschend viele Vorschläge, die mit der bisherigen Praxis brechen. Philanthropische Unterstützung hat Hunderten von Medienunternehmen auf der ganzen Welt das Überleben ermöglicht, aber es wird immer deutlicher, dass mehr systemische Unterstützung notwendig ist.

In dieser SciCon-Session erläutert Anya Schiffrin anhand ihrer globalen Analyse die vier Kernbereiche einer nachhaltigen Finanzierungsstrategie für Nachrichtenmedien – mit besonderem Fokus auf öffentliche Fördermaßnahmen und darauf, Tech-Unternehmen für Qualitätsjournalismus zahlen zu lassen: Was sind die vielversprechendsten Modelle der staatlichen Förderung für Qualitätsjournalismus? Was können wir von Frankreich, Skandinavien und Kanada darüber lernen, wie Regierungen ein vielfältiges und pluralistisches Medienökosystem erhalten können? Was sind die Lehren aus Australiens aufsehenerregenden Versuch, Google und Facebook dazu zu bringen, für verbreitete Inhalte zu bezahlen?

Anya Schiffrin fordert „eine konzertierte Aktion aller Nachrichtenorganisationen, Regierungen, Stiftungen und Bürger für den Journalismus“, da keine einzelne Initiative das Problem bislang lösen konnte. Obwohl der Report keine endgültige Antwort auf die Frage gibt, wie die Medien zu retten sind, ist er ein nützliches Handbuch für alle, die es versuchen. Ihr Paper endet mit einem dramatischen Appell: „Das Problem ist drängend, und wir müssen schnell handeln. Jetzt ist die Zeit für Stifter und Regierungen, viel Geld in die Hand zu nehmen, sich zu koordinieren und die Versuche voranzutreiben, Chancengleichheit mit den Tech-Unternehmen zu schaffen.“

Dr. Anya Schiffrin ist Senior Lecturer an der School of International and Public Affairs (SIPA) der Columbia University, wo sie die Spezialisierung auf Technologie, Medien und Kommunikation leitet. Sie ist Herausgeberin des in Kürze erscheinenden Buchs Media Capture: How Money, Digital Platforms, and Governments Control the News, das in diesem Jahr bei Columbia University Press erscheint.  

Aktueller Veranstaltungshinweis:
“Supporting Journalism: What we can learn from other countries”
Morgen, am 25. März um 16:00 MEZ, organisiert Anyas Team an der Columbia University ein Webinar, das sich mit den politischen Maßnahmen der Regierungen beschäftigt und was man von Kanada und Frankreich lernen kann: Steve Waldman, Julia Cagé und Edward Greenspon werden über politische Fördermaßnahmen sprechen, die in verschiedenen Ländern zur Unterstützung von Medien ausprobiert werden – von Steuererleichterungen bis hin Gutscheinen für Nachrichten und neuen Gesetzen, die sich mit der ungleichen Verhandlungsmacht zwischen Nachrichtenproduzenten und digitalen Plattformen befassen, sowie über die jüngste US-Gesetzgebung zur Unterstützung von lokalen Medien.

  • Steve Waldman ist Präsident und Mitbegründer von Report for America
  • Julia Cagé ist Assistant Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Sciences Po Paris
  • Edward Greenspon ist Präsident und CEO bei Public Policy Forum


Links:

René van Zanten, Ida Willig, Andy Kaltenbrunner: What states are doing to promote journalism: NL / DEN / A
(18. März 2021, 15:00 Uhr MEZ)

Moderator: Prof. Christopher Buschow, Bauhaus-Universität Weimar

Die ökonomische Krise der Medien – vor allem die weggebrochene Querfinanzierung von Journalismus durch Anzeigenerlöse – hat dazu geführt, dass Staaten zunehmend versuchen, das Mediensystem durch direkte Förderung strukturell zu stützen. Wir wollen uns genauer anschauen, warum verschiedene Länder und die EU staatliche Medienförderprogramme verabschiedet haben, welche Rolle Innovationsförderung in diesen Ländern spielt und welche Erfahrungen sie mit ihren Initiativen gemacht haben – und was wir daraus lernen können.

Im Kern steht die Frage, wie medienpolitische Akteure in verschiedenen Ländern aktuell versuchen, einen informierten öffentlichen Debattenraum für das digitale Zeitalter zu erhalten. Welche neuen Instrumente der direkten Medienförderung werden derzeit ausprobiert, wo gibt es in der Praxis Probleme, welche Modelle erweisen sich als zukunftsfähig? Welche langfristigen Strategien verfolgen diese Länder im Hinblick auf den Strukturwandel der Medienlandschaft? Und: Wie kann die Verteilung der Fördermittel staatsunabhängig organisiert werden?

In dieser Sitzung wollen wir uns drei Länder genauer ansehen, die seit langem als Referenzmodelle für die direkte Medienfinanzierung gelten: Die Niederlande, Dänemark und Österreich. Wir freuen uns auf folgende Gäste:

René van Zanten, Generaldirektor, Stimuleringsfonds voor de Journalistiek (NL): René van Zanten begann 1980 als rasender Reporter, der für den Haagsche Courant über internationale Themen berichtete, eine der renommiertesten Regionalzeitungen der Niederlande. 1995 wurde er Chefredakteur der Regionalzeitung Utrechts Nieuwsblad und 2003 Herausgeber/Direktor der größten niederländischen Regionalzeitung De Gelderlander. Seit 2011 ist er beim Dutch Journalism Fonds tätig: Der Stimuleringsfonds voor de Journalistiek (svdj) in Den Haag unterstützt die Qualität, Vielfalt und Unabhängigkeit des Journalismus in den Niederlanden durch die Förderung von Innovationen. Um dieses Ziel zu erreichen, vergibt der Fonds Zuschüsse für innovative Journalismusprojekte, führt Forschungsarbeiten durch und regt den Wissensaustausch in der Branche an. Alle Aktivitäten des Fonds werden aus Mitteln des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft finanziert. Der svdj bietet verschiedene Programme für Förderanträge an, mit besonderem Augenmerk auf Lokaljournalismus, investigativen Journalismus und Innovation. Unter anderem konnten Blendle, Local Focus und De Correspondent ihre Projekte mit der Unterstützung des Fonds auf die Beine stellen.

Links:


Prof. Ida Willig, Leiterin der Forschungsgruppe Journalismus und Demokratie, Roskilde University & Danish Media Board (DEN): Ida ist Professorin für Mediensoziologie & Journalismus an der Roskilde Universität und schreibt über „Das journalistische Bauchgefühl“, Bourdieu, Newsroom-Ethnographie und Mediensysteme. Ihre aktuellen Projekte fokussieren „Cultural Publics“ und „Nordic Media Systems Network“. Seit 2012 ist sie Mitglied des Danish Media Board, das die Anträge für redaktionelle Produktions- und Innovationsförderung bearbeitet. Dänemark hat bereits seit den 1960er Jahren eine direkte Presseförderung – und nun auch explizit für digitale Medien. Seit 2013 werden journalistische Publikationen unabhängig vom Distributionskanal gefördert, wenn mindestens die Hälfte der Inhalte redaktioneller Art ist und ein Sechstel der Inhalte von einer eigenständigen Redaktion produziert wurde. Übernommen werden pro Jahr maximal 35 % der Redaktionskosten. Darüber hinaus existieren in Dänemark ein Innovationsfonds für die Gründung neuer Medien und ein Restrukturierungsfonds für Medien in wirtschaftlichen Notlagen. Das Land hat also seit langem Erfahrung, wie die Verteilung von Fördermitteln staatsunabhängig organisiert werden kann.

Links:


Prof. Andy Kaltenbrunner, Gesellschafter, Medienhaus Wien (A): Der langjährige Journalist und international tätige Medienberater war 2005 Initiator und ist seither einer der Gesellschafter von Medienhaus Wien, seit 2011 geschäftsführend. Er lehrt und forscht seit den 1980er Jahren an Universitäten und Medienakademien in Europa und den USA. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienkonvergenz und -innovation, Journalismus und Medienpolitik. Seit Oktober 2020 leitet er das Österreich-Team des D-A-CH-Projekts Innovations in Journalism in Democratic Societies. In dieser Session stellt er die neue „Wiener Medieninitiative“ vor, mit der die Stadt Wien innovative Ansätze im Journalismus unterstützen will. Über einen Zeitraum von drei Jahren stehen insgesamt 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. Sie sind nicht primär für die Förderung technischer Innovationen vorgesehen, sondern sollen neue Darstellungsformen, Inhalte und Geschäftsmodelle im Journalismus anstoßen.

Links:


[DOI: Unser Moderator Christopher Buschow ist als Juror für die Wiener Medieninitiative tätig.]

Jonathan Heawood, Karyn Pugliese, Ivan Brincat: What state bodies are doing to promote journalism: UK / Canada / EU
(11. März 2021, 16:30 Uhr MEZ)

Moderation: Prof. Christopher Buschow, Bauhaus-Universität Weimar

Die ökonomische Krise der Medien – vor allem die weggebrochene Querfinanzierung von Journalismus durch Anzeigenerlöse – hat dazu geführt, dass Staaten zunehmend versuchen, das Mediensystem durch direkte Förderung strukturell zu stützen. In dieser Session wollen wir uns solche Modelle für eine Entkopplung des Journalismus von der Marktfinanzierung genauer anschauen.

Im Kern steht die Frage, wie medienpolitische Akteure in verschiedenen Ländern aktuell versuchen, einen informierten öffentlichen Debattenraum für das digitale Zeitalter zu erhalten. Welche neuen Instrumente der direkten Medienförderung werden derzeit ausprobiert, wo liegen die Probleme in der Praxis, welche Modelle erweisen sich als zukunftsfähig? Welche langfristigen Strategien verfolgen diese Länder im Hinblick auf den Strukturwandel der Medienlandschaft? Welche Rolle spielt die Innovationsförderung und in welchem Verhältnis steht diese zum traditionellen Mediensystem? Und: Wie kann die Verteilung der Fördergelder staatsunabhängig organisiert werden?

Dazu haben wir eingeladen:

Prof. Jonathan Heawood, (UK) Gründer/CEO von IMPRESS, das den Erfolg von hochwertigem, unabhängigem Journalismus im digitalen Zeitalter sichern will. Jonathan ist z.Zt. von IMPRESS beurlaubt, um die 2019 gegründete Public Interest News Foundation PINF zu leiten, die die Empfehlungen einer IMPRESS-Studie umsetzen soll. Sein Vortrag behandelt die darin enthaltenen folgenden Fragen:
Wie können die Empfehlungen des britischen Cairncross-Reviews implementiert werden, ohne die Pressefreiheit zu gefährden?
Wie kann Förderung an Medien fließen, die sich hohen journalistischen Standards verschrieben haben?
Welche Art von Unterstützung benötigen kleine Nachrichtenanbieter und Start-Ups, um im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein?

Prof. Karyn Pugliese, Ryerson School of Journalism; past President of the Canadian Association of Journalists. Im Staatshaushalt der kanadischen Regierung 2019 wurden bis 2024 595 Millionen kanadische Dollar für einen news media fund bereitgestellt. Medien, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, können dadurch diverse Steuervergünstigungen erhalten. Aber staatliche Förderung für private Nachrichtenmedien wird in Kanada kontrovers diskutiert. Karyn zieht eine kritische Bilanz der staatlichen Medienförderung in Kanada.

Mr Ivan Brincat, Policy Officer, Directorate-General for Communications, Network, Content and Technology (DG-CNECT). Mit dem neuen Europäischen Aktionsplan für Demokratie will die EU das demokratische Fundament der EU-Staaten durch folgende Maßnahmen stärken:

  • Förderung freier und fairer Wahlen und einer starken demokratischen Teilhabe
  • Unterstützung freier und unabhängiger Medien
  • Bekämpfung von Desinformation

Ivan schildert die Vorhaben dieses europäischen Aktionsplans sowie die praktischen Implikationen für Journalisten, Medieninhaber und andere Medienschaffende.

Amanda D. Lotz: Media Disrupted:
Connecting Journalism to the Right Business Model – Lessons from Australia
(26. Februar 2021, 9 Uhr MEZ)

Amanda D. Lotz ist Professorin für Medienwissenschaft am Digital Media Research Centre der Queensland University of Technology (Australien). Ihre Forschung konzentriert sich auf die Auswirkungen der Ausbreitung des Internet auf die Medienbranche.

Lotz hat viele Auszeichnungen erhalten, mehrere wegweisende Bücher verfasst und war kürzlich Mitautorin eines Reports der australischen Regierung, in dem bestehende, aufkommende und neuartige Geschäftsmodelle bewertet und die regulatorischen und nicht-regulatorischen Maßnahmen zur Unterstützung der Produktion und Distribution von Nachrichten- und Medieninhalten in Australien und vergleichbaren Ländern evaluiert wurden.

In ihrer in Kürze bei MIT-Press erscheinende Veröffentlichung “Media Disrupted: Surviving Pirates, Cannibals and Streaming Wars” zeichnet sie die Geschichte nach, wie das Internet und digitale Technologien die Musik-, Zeitungs-, Film- und Fernsehindustrie radikal in Frage gestellt und verdrängt haben. Lotz analysiert, wie unterschiedliche Branchen auf tiefgreifende technologische Disruptionen reagiert haben, und zieht Lehren für das Überleben solcher Veränderungsprozesse. Sie veranschaulicht, wie Fehleinschätzungen zu den Konsequenzen der digitalen Kommunikation zu langsamen und oft erfolglosen Lösungen geführt haben, und betrachtet die Zerstörung von Geschäftsmodellen aus Perspektive der Medienindustrie, um Handlungsempfehlungen für das Reagieren auf disruptive Veränderungen abzuleiten.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzung zwischen den Internet-Plattformen und der australischen Regierung nimmt Amanda D. Lotz in ihrem Vortrag gezielt den Journalismus in den Blick. Im Gespräch mit Alexander Mäder (Professor für digitalen Nachrichtenjournalismus an der Hochschule der Medien in Stuttgart) erläutert sie ihre Erkenntnisse zur Rolle und zum Einfluss von Plattformen wie Google News Showcase und Facebook NewsTab auf das Mediensystem.

Im Rahmen der von der australischen Regierung angekündigten harten Regulierung hat Seven West Media als erstes großes Medienunternehmen Anfang dieser Woche einen Multi-Millionen-Dollar-Vertrag mit Google unterzeichnet. Seitdem hat Facebook journalistische Inhalte in Australien gesperrt.

Links:

SPON: Streit über Regulierung: Facebook dreht Australien die Nachrichten ab, 18.02.2021.

Australien will den digitalen Newsmarkt strenger regulieren, das kann für Techkonzerne teuer werden. Facebook blockiert nun das Teilen journalistischer Inhalte – nach eigenen Angaben »schweren Herzens«.

Guardian: Facebook’s botched Australia news ban hits health departments, charities and its own pages, 18.02.2021.

Social media company’s ban on sharing news has also affected dozens of government, not-for-profit and community pages.

Saving Journalism: A Vision for the Post-Covid World, Bericht von Medienexpertin Anya Schiffrin von Columbia University für die Konrad-Adenauer-Stiftung

Nadja Oertelt, Beat Glogger: Neue Finanzierungswege für Wissensmedien: Massive Science / higgs
(11. Februar 2021, 16 Uhr MEZ)

Massive Science (USA) und higgs (CH) gelten als zwei der innovativsten Science Media Start-ups, die neue Wege der Finanzierung beschreiten.

In dieser von Eva Wolfangel (Freie Wissenschaftsjournalistin) moderierten #SciCon-Session geben unsere Gäste Nadja Oertelt (Co-Founder & CEO, Massive Science) und Beat Glogger (Founder & Editor-in-Chief, higgs) Einblicke in die Konzepte ihrer Medien und ihre aktuellen Finanzierungsmodelle: Was sind ihre zentralen Erfolgsfaktoren? Welche Hürden und praktischen Probleme mussten sie überwinden? Wie stellen sie qualitative, journalistische und ethische Standards sicher? Was sind ihre „lessons learned“ und Empfehlungen für andere Medien-Start-ups, die neue Wege in der Finanzierung wagen wollen?

  • Massive Science wurde 2016 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wissenschaftlern dabei zu helfen, Geschichten über ihre Arbeit und ihr Leben zu erzählen, und bessere Storyteller zu werden und Forschung für ein breites Publikum verständlicher zu machen. Das Content- und Medienunternehmen mit Sitz in New York City will „bleeding-edge scientific research and expertise“ liefern: vertrauenswürdige, unterhaltsame und teilbare wissenschaftliche Inhalte, die von einer Community von über 2.000 sachkundigen Wissenschaftlern verfasst werden. https://massivesci.com veröffentlicht täglich neue Geschichten über Wissenschaft, Technologie und Gesundheit. Die Website ist kostenlos zugänglich und verfügt über digitale Anzeigen. Massive erhebt einen Mitgliedsbeitrag von $10 für angehende Autoren, die eine Ausbildung in Wissenschaftskommunikation erhalten möchten. Es gibt auch ein Abonnement für $5 pro Monat. Die Artikel von Massive Science werden in mehreren amerikanischen Online-Nachrichtenkanälen wiederveröffentlicht, darunter ScienceAlert, Inverse, Salon und Quartz.
  • Die Online-Plattform higgs ist „das erste unabhängige Magazin für Wissen“ in der Schweiz. Seit Januar 2018 publiziert das Team auf der Website, auf Facebook, Instagram und Twitter täglich Wissen für ein äußerst breites Publikum und verfolgt ein „neues Mediensystem“: higgs stellt seinen Content verschiedenen Medien frei zur Verfügung, die sich hochwertigen Wissenschaftsjournalismus nicht mehr leisten können. So will higgs Wissen in möglichst viele Gebiete und in möglichst viele Gesellschaftsschichten bringen – insbesondere auch in solche, die nicht a priori an Wissenschaft interessiert sind. Die Plattform wird vor allem von der Stiftung Wissen für alle (wissen-fuer-alle.ch) finanziert. Dort können sich Freie Journalist*innen – auch aus Deutschland – mit ihren Themen- und Recherche-Ideen um Förderung bewerben und bei higgs publizieren. Dabei sollen das Stiftungsmodell, verschiedene Finanzierungsquellen und higgs als Intermediär die Unabhängigkeit der Berichterstattung sicherstellen.

Esther Alonso, Donatien Huet: Best Practice Marktfinanzierung:
Mediapart / elDiario.es
(04. Februar 2021, 16:30 MEZ)

Mediapart (Frankreich) und elDiario.es (Spanien) gelten als zwei der erfolgreichsten Medien-Start-ups in Europa, die sich auf die Entwicklung von Geschäftsmodellen konzentriert haben, die sich durch Zuschauereinnahmen finanzieren.

In dieser von Prof. Holger Wormer (TU Dortmund) moderierten #SciCon- Session geben unsere Gäste Esther Alonso (Membership and Development Director, elDiario.es) und Donatien Huet (Editor & Head of Future Lab, Mediapart) Einblicke in die aktuellen Finanzierungskonzepte ihrer Medien: Was sind ihre zentralen Erfolgsfaktoren? Wie haben sie die Lesereinnahmen – im Gegensatz zur Abhängigkeit von Werbung im zwanzigsten Jahrhundert – als Einnahmequelle etabliert, die unabhängige Berichterstattung ermöglicht? Welche Potenziale liegen darin, das Publikum für eine größere gemeinsame Sache einzubinden, die über das Medium selbst hinausweist? Und wie beurteilen sie die Art und Weise, wie sich die „alte“ Verlagswelt und die etablierten Medien gegenüber neuen Akteuren wie ihnen verhalten?

  • Mediapart – mit Sitz in Paris – ist ein unabhängiges französisches Online-Enthüllungs- und Meinungsmagazin, das 2008 gegründet wurde. Es besteht aus zwei Hauptbereichen: Le Journal, das von professionellen Journalisten geführt wird, und Le Club, ein Forum, das gemeinsam mit der Abonnenten-Community herausgegeben wird. Mediapart finanziert sich ausschließlich durch seine Leser: Es hat ein reines Abomodell ohne Werbung und eine breite Palette von Promotion-Aktionen für Menschen, die das Magazin kennenlernen wollen. Das Team setzt auf die Berichterstattung über eine sehr begrenzte Alltagsagenda, die durch investigative Berichterstattung ergänzt wird. Dabei ist die Prämisse, dass Scoops Leser bringen und Inhalte zu Abonnements führen. Mediapart hat mehr als 140.000 Abonnenten – und hat eine zentrale Rolle bei der Enthüllung mehrerer großer französischer Politikskandale gespielt. Seit Oktober 2019 befinden sich alle Anteile im Besitz einer gemeinnützigen Struktur (Fund for a Free Press).
  • elDiario.es ist eine unabhängige digitale Zeitung in Madrid, die sich als Pionier für Qualitätsjournalismus versteht und ein innovatives Geschäftsmodell verfolgt, um Gesellschaft und Journalismus wieder näher zueinander zu bringen. Mitten in der Finanzkrise im September 2012 gestartet, hat elDiario.es ein community-basiertes Journalismusmodell entwickelt, das ein Mainstream-Publikum erreicht: Die wichtigste Geschäftsinnovation ist das „Mitgliedschaftsprogramm“, das die Werbeeinnahmen ergänzt – mehr als 53.000 „socios“ unterstützen eldiario.es bereits finanziell, um die redaktionelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu stärken. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Paywall: Die „socios“ zahlen dafür, dass die Inhalte frei zugänglich sind und so gesellschaftliche Wirkung erzielen können. Ein Drittel der Einnahmen kommt von den Lesern, und seit 2013 ist das Unternehmen profitabel. Mehr als 70% des Unternehmens gehören den Mitarbeitern der Redaktion. elDiario.es hat sich unter den Top 10 der meistgelesenen Zeitungen in Spanien etabliert. Im Dezember 2020 führte elDiario.es ein neues Mitgliedschaftsmodell ein: Leser*innen, die mehr als zehn Artikel pro Monat lesen, müssen nun „socia“ oder „socio“ werden, um die Inhalte weiter lesen zu können. Für diejenigen, die nicht 8 € pro Monat zahlen können, ist elDiario.es aber weiterhin zugänglich: Studenten, Arbeitslose oder Menschen mit geringem Einkommen können eine reduzierte Gebühr wählen, die auch bei null liegen kann.

Richard Höchner, Christian Schwägerl: Neue Finanzierungswege im Journalismus:
Die Republik / RiffReporter
(28. Januar 2021, 15 Uhr MEZ)

Im neuen Jahr wollen wir bei #SciCon die Diskussion über die Zukunft des (Wissenschafts-)Journalismus vorantreiben, indem wir einen genaueren Blick auf Community-basierte Medien werfen: Welche Ansätze und Geschäftsmodelle finanzieren Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter? In dieser Online-Session wollen wir die Rolle beleuchten, die Genossenschaften bei der Gestaltung der Transformation des Journalismus spielen.

Dazu haben wir Kollegen von zwei leserfinanzierten Medien aus der Schweiz und Deutschland eingeladen: Richard Höchner (Die Republik) und Christian Schwägerl (RiffReporter) werden Einblicke in die aktuellen Finanzierungskonzepte ihrer Medien geben: Welche Finanzierungsmöglichkeiten haben sie geprüft, welche verworfen und weiterverfolgt? Welcher redaktionelle Output und wie viele Mitarbeiter*innen sind von dem bestehenden Finanzierungsmodell abhängig – und wie tragfähig ist es?

Diese Best-Practice-Session mit Moderatorin Dr. Birte Fähnrich (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) soll konkrete Erfahrungen mit kooperativen Konzepten und Crowdfunding aufzeigen. Was würden diese Medienmacher anderen empfehlen, um geeignete Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Medienprojekte zu finden?

Unsere Gäste:

  • Richard Höchner ist Mitgründer & Leiter Community+ bei Die Republik, einem Schweizer Online-Magazin, das im Januar 2018 gestartet ist. https://www.republik.ch veröffentlicht täglich ein bis drei Artikel. Das Magazin ist auf die Leserschaft in Form einer Genossenschaft angewiesen. Die Republik, so versprechen die Initiatoren, ist ein unabhängiges Magazin für die öffentliche Debatte – für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – und ordnet Informationen für Menschen ein, die keine Zeit haben, dies selbst zu tun. Die Republik ist ausschließlich leserfinanziert und kommt ohne Werbeeinnahmen aus.
  • Christian Schwägerl ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied von RiffReporter, einer journalistischen Genossenschaft aus Deutschland, die es sich zum Ziel gesetzt hat, freie Journalisten zu stärken. Dafür haben die RiffReporter ein Online-Magazin (www.riffreporter.de) geschaffen, in dem die journalistischen Mitglieder Projekte, Artikel und Beiträge veröffentlichen und direkt an Leser verkaufen können. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Berlin. Die RiffReporter-Plattform ging im November 2016 mit einer Alpha-Version online, die RiffReporter-Genossenschaft wurde im Januar 2017 in Berlin gegründet. Die Genossenschaft hat derzeit über 100 Journalist*innen als Mitglieder.

Deborah Blum, Thomas Lin, Volker Stollorz: Best Practice Stiftungsförderung:
Quanta Magazine/Undark/SMC
(18. November 2020, 16 Uhr MEZ)

Mod.: Christina Sartori

#SciCon will die Zukunft des (Wissenschafts-)Journalismus aus einer internationalen Perspektive diskutieren: Welche Ansätze, Partnerschaften und Geschäftsmodelle finanzieren Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter? In dieser Online-Session wollen wir einen genaueren Blick auf die Rolle werfen, die Stiftungen bei der Transformation des Journalismus spielen. Dazu haben wir drei Chefredakteur*innen von stiftungsfinanzierten Medien eingeladen: Deborah Blum (Undark.org), Thomas Lin (Quanta Magazine) und Volker Stollorz (Science Media Center Germany) geben Einblicke in ihre aktuellen Finanzierungskonzepte: Welche Finanzierungsmöglichkeiten haben sie untersucht, welche abgelehnt und weiter verfolgt? Welcher redaktioneller Output und wie viele Mitarbeiter*innen sind von dem bestehenden Finanzkonzept abhängig – und wie sicher ist es? Wie wahren diese Medien ihre journalistische Unabhängigkeit?

Diese Best-Practice-Session mit der Moderatorin Christina Sartori (freie Wissenschaftsjournalistin in Berlin & WPK-Mitglied) will konkrete Erfahrungen mit stiftungsbasierter Finanzierung herausarbeiten. Was würden diese Medienmacher*innen anderen empfehlen, um Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Medienprojekte zu finden – und verhält sich die „alte“ Verlagswelt gegenüber den neuen Akteuren?

Unsere Gäste:

  • Deborah Blum, Herausgeberin Undark Magazine & Direktorin Knight Science Journalism Program am MIT: Undark.org wurde 2016 von der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Wissenschaftsjournalistin Deborah Blum und Tom Zeller Jr. (New York Times) gegründet. Undark ist eine gemeinnützige, redaktionell unabhängige Online-Publikation, die Wissenschaft als ein „häufig wundersames, manchmal umstrittenes und gelegentlich beunruhigendes Nebenprodukt der menschlichen Kultur“ erkundet. Der Slogan: „Wahrheit, Schönheit, Wissenschaft“. Die Zeitschrift wird unter der Schirmherrschaft des Knight Science Journalism Fellowships Programms am Massachusetts Institute of Technology herausgegeben.
  • Thomas Lin, Chefredakteur und Gründer der Zeitschrift Quanta: Das Quanta Magazine ist eine redaktionell unabhängige Online-Publikation der Simons Foundation, die über Physik, Mathematik, Biologie und Informatik berichtet. Quanta wurde im Oktober 2012 vom New York Times-Journalisten Thomas Lin ins Leben gerufen. Die Artikel sind online frei verfügbar. Publikationen wie Scientific American, Wired, The Atlantic und The Washington Post sowie internationale Wissenschaftspublikationen drucken Artikel aus dem Quanta Magazine nach.
  • Volker Stollorz, Redaktionsleiter & Geschäftsführer, Science Media Center Germany (SMC): Das SMC verfolgt das Ziel, den öffentlichen Diskurs über Wissenschaftsthemen durch einen unabhängigen und qualitätsorientierten Wissenschaftsjournalismus zu fördern. Hierzu bündelt es Informationen für Journalisten zu aktuellen und gesellschaftlich relevanten Wissenschaftsthemen und stellt die Expertise von über 600 ausgewählten Wissenschaftlern zur Verfügung. Der SMC wurde 2015 mit einer Anschubfinanzierung der Klaus Tschira Stiftung gegründet und verfolgt ein „Multi-Funder-Modell“ mit über 40 Förderern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft.

Prof. Magda Konieczna: Gemeinnütziger Journalismus: Warum wir Journalismus
als öffentliches Gut benötigen
(28. Oktober 2020, 16 Uhr MEZ)

Mod.: Prof. Christopher Buschow

Die amerikanische Journalismus-Forscherin Prof. Magda Konieczna (Temple University) ist eine weltweit führende Expertin für Non-Profit-Journalismus. Ihr Buch Journalism Without Profit: Making News When the Market Failures (2018) ist die erste detaillierte Studie über dessen wirtschaftlichen, professionellen und organisatorischen Einfluss. Mit mehr als einer Milliarde Dollar haben Stiftungen in den USA journalistische Projekte allein zwischen 2009 und Mitte 2016 gefördert. In diesem Talk wird Magda Konieczna erläutern, wie Non-Profit-Organisationen Journalismus ermöglichen, während immer mehr Medien die ökonomische Basis wegbricht. Wie fördern Non-Profit-Nachrichten neue journalistische Herangehensweisen und transformieren den Journalismus dadurch? Was sind die Chancen und Grenzen des Non-Profit-Journalismus – und wie können Staat und Zivilgesellschaft hier eine konstruktive Rolle spielen?

Chris Anderson: Ideen für einen relevanten Journalismus im digitalen Zeitalter
(09. November 2020, 14 Uhr MEZ)

Mod.: Prof. Holger Wormer

Chris Anderson von der Universität Leeds, der sich als Experte für den digitalen Wandel im Journalismus einen Namen gemacht hat; er ist Autor des Buchs Remaking the News: Essays on the Future of Journalism Scholarship in the Digital Age.

Prof. Julia Cagé: So retten wir die Medien: Ein neues Geschäftsmodell für Medien in der Krise
(26. Oktober 2020, 17 Uhr MEZ)

Mod.: Prof. Christopher Buschow

Prof. Julia Cagé ist eine Pariser Medienökonomin, die sich intensiv mit der Krise des journalistischen Geschäftsmodells und der Rolle der Medien in der Demokratie befasst hat. In ihrem viel beachteten Buch „Saving the Media“ entwickelt sie die Idee eines neuen Business Modells für die kriselnden Medien. Ihr Vorschlag: Gründung einer Nonprofit-Medienorganisation, auf halbem Weg zwischen einer Stiftung und einer Aktiengesellschaft. Ein solches Modell würde laut Cagé unabhängigen Journalismus ermöglichen, der nicht von Aktionären, Anzeigenkunden und Regierungen beeinflussbar ist.

Dame Frances Cairncross: Was können Regierungen von der Medienkrise in Großbritannien lernen? Empfehlungen aus dem Cairncross-Gutachten „A sustainable Future for Journalism“
(14. Oktober 2020, 17 Uhr MEZ)

Mod.: Christina Sartori (freie Wissenschaftsjournalistin; Mitglied der Wissenschaftspressekonferenz (WPK))

Dame Frances Cairncross ist eine britische Wirtschaftswissenschaftlerin, angesehene Journalistin und Akademikerin. Cairncross ist Autorin des 2019 veröffentlichten gleichnamigen Berichts, der eine Bestandsaufnahme des britischen Mediensystems vornimmt. Darin empfiehlt Cairncross staatliche Förderprogramme für die Medien. Die britische Regierung hat bereits Ende letzten Jahres Teile der Cairncross-Empfehlungen umgesetzt. Frances Cairncross verbrachte 13 Jahre als Wirtschaftskolumnistin für den Guardian und 20 Jahre als leitende Redakteurin bei The Economist.

Tom Rosenstiel: Journalismus und Demokratie im digitalen Zeitalter
(01. Oktober 2020, 15 Uhr MEZ)

Mod.: Prof. Holger Wormer

Die virtuelle SciCon-Reihe begann mit einem Vortrag von Tom Rosenstiel. Tom Rosenstiel ist Geschäftsführer des weltweit angesehenen, 1946 gegründeten American Press Institute. Er hat für die wichtigsten US-amerikanischen Medien als Journalist gearbeitet und zählt zu den renommiertesten Medienexperten der Welt. Sein 2001 gemeinsam mit Tom Kovach publiziertes Buch The Elements of Journalism, in dem die Autoren eine Theorie des Qualitätsjournalismus entwickeln, zählt laut Wall Street Journal zu den fünf wichtigsten Werken, die zum Journalismus veröffentlicht wurden.

Scicon-Arbeitskonferenz

SciCon richtet sich an ein internationales Fachpublikum aus Journalismus, Wissenschaft, Wissenschaftspolitik und fördernden Institutionen. In diesem ausgesuchten Kreis – die Konferenzteilnehmenden aus Europa und den USA werden von WPK und acatech gezielt eingeladen – werden wir drei Themenkomplexe erörtern:

  • Evidence in the public sphere: Welche Rolle spielt Journalismus über Wissenschaft für informierte gesellschaftliche Entscheidungen? Welche (neuen?) Bündnisse und Strukturen braucht es, damit bestmöglichen Argumenten Gehör und Vertrauen geschenkt wird und Verunsicherungskampagnen weniger Wirkung erzielen? Welche Mechanismen entwickeln politische Entscheidungsträger, um ihre Entscheidungen in einem vielstimmigen Umfeld zu verknüpfen mit bestmöglicher Evidenz? Welche Rolle spielt Wissenschaftsjournalismus in diesem Kontext? Welche Rolle können die Wissenschaft selbst, politikberatende Wissenschaftseinrichtungen und die Politik spielen? Wie erhöhen wir die Resilienz von Gesellschaften gegen Desinformationskampagnen? Welche Rolle spielen die sozialen Medien in diesem Prozess der Evidenzorientierung?
  • New media (business) models: Was wissen wir über marktförmige Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter? Welche anderen Formen journalistischer Refinanzierung gibt es, welche unterstützenden Akteure und Strukturen? Welche Möglichkeiten gibt es für Dritte, die digitale Transformation der Medien zu unterstützen? Welche Rolle sollen künftig öffentlich-rechtliche Mediensysteme spielen? Welche medienpolitischen Konzepte gibt es in Europa (bezogen auf Länder-/EU-Ebene)?
  • Communicating Science to the public: Wie sieht nachhaltige, wirksame Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter aus? Was wird in diesem Kontext die Rolle redaktioneller Medien sein? Welche strategischen Weichenstellungen für die Wissenschaftskommunikation sind sinnvoll angesichts der digitalen Transformation? Wie trägt Wissenschaft am effektivsten dazu bei, evidenzbasierte öffentliche Debattenräume zu erhalten? Welche Rolle spielen die sozialen Medien in dem Zusammenhang? Sind von der Wissenschaft betriebene, massenmedial wirksame Angebote der Königsweg der Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter? Welche Rückkopplungseffekte für die Wissenschaft können entstehen, wenn die Wissenschaft selbst die Funktion eines Massenmediums einnimmt, also direkte Kommunikation mit dem Publikum betreibt (Politisierung der Wissenschaft, Reputationsrisiken)? Welche Rolle spielen künftig professionelle PR-Agenturen in den Kommunikationsstrategien der Wissenschaft?